Auf dem Weg zur Kinderrechteschule

Unser Kinderrechte – Film:

Film Kinderrechte


Ein zentraler Aspekt des Erziehungsauftrags der Schulen ist es, die Kinder auf ein Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten und sie in ihrer Entwicklung zu mündigen Bürgern zu unterstützen. Dementsprechend ist es eine wesentliche Aufgabe der Grundschule, demokratische Strukturen nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern auch praktisch erfahrbar zu machen. Nur Kinder, die erfahren, dass ihre Meinung gefragt ist, sie mit ihren Bedürfnissen und Rechten ernst genommen werden und ihre Stimme zählt, werden langfristig von ihrem Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen und sind weniger von Politik- und Demokratieverdrossenheit oder gar Radikalisierung bedroht.

 Die Kinderrechtskonvention wurde am 20. November 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und inzwischen von nahezu allen Staaten der Welt ratifiziert. Die Kinderrechte sind die Menschenrechte für Kinder, sie gelten für alle jungen Menschen von Geburt an bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. In Deutschland trat die UN-Kinderrechtskonvention am 5. April 1992 bindend in Kraft (Edelstein, Krappmann, Student (Hg.): Kinderrechte in die Schule. Schwalbach: Wochenschau Verlag 2016).

 Die Schule ist der einzige Ort, den alle Kinder besuchen und es ist ihre Aufgabe, die Kinder mit ihren Rechten vertraut zu machen. Schule soll Kinder unterstützen ihre Rechte zu (er-)leben oder sie dafür stark machen und befähigen, diese Rechte einzufordern. Unser Ziel ist es, Kinderrechte nicht nur in den 4. Klassen als Unterrichtsthema theoretisch zu vermitteln, sondern Partizipation für alle Kinder praktisch erlebbar zu machen.

 Die Teilnahme unserer Schulsozialarbeiterin und einer Lehrkraft an der zweijährigen Qualifizierung „buddy Grundschulprogramm ‚Kinderrechte‘“ (Träger: Buddy e.V. und Unicef) ab Dezember 2014 war der erste Schritt auf dem Weg zur Kinderrechteschule. Die Fortbildung erstreckte sich über sieben Trainingstage, am ersten und letzten Tag nahm auch die Schulleitung teil.

Das „Grundschultraining Kinderrechte“ ist auf folgende Ziele abgestimmt:

• Sukzessive Entwicklung hin zu einer kindgerechten Schule, die Kindern Schutz bietet, sie fördert und anerkennt, sowie Möglichkeiten der Partizipation und Verantwortungsübernahme bereitstellt.

• Anerkennung der Universalität der Kinderrechte unter Berücksichtigung schulspezifisch individueller Zugänge zur Umsetzung der Kinderrechte.

• Entwicklung eines Verständnisses dafür, dass die Anerkennung von Kinderrechten Bestandteil des Schulentwicklungsprozesses sein muss.

• Etablierung einer kindgerechten und demokratischen Lern- und Schulkultur.

• Stärkung von Kindern und Jugendlichen sowie Entwicklung einer positiven Umgangs-, Lehr- und Lernkultur in Schulen (BuddY e.V.).

 

 

Als Einstieg in das Thema wurden im Rahmen eines Schüleraudits (mit Plakaten und Fragebögen) alle Kinder nach ihren Wünschen und Ideen zur Gestaltung des Schullebens befragt. Die Auswertung dieser Ideen und auch die Zuordnung der zahlreichen in der Schule schon vorhandenen Angebote zu den einzelnen Kinderrechten war Teil der ersten beiden Fortbildungstage.

Im Rahmen der Fortbildung wurde zunächst deutlich, dass wir an unserer Schule mit unserem alltäglichen pädagogischen Handeln schon seit langem viele Kinderrechte umsetzen. Daraus folgend können zahlreiche an der Schule schon etablierte Angebote den verschiedenen Kinderrechten zugeordnet werden: So z.B. alle Angebote zum Gemeinsamen Lernen und die Umsetzung von Inklusion, Logopädie und Ergotherapie in der Schule, der Motorikraum, Angebote der Schulsozialarbeit und der Schulpsychologie, Konfliktlösungsmethoden, Mediation und Tatausgleich, das „FuN-Projekt Familie und Nachbarschaft“, Streitschlichtung, das Konzept „Gewaltfrei Lernen“, Bewegungspausen, die Projektwoche und vieles mehr.  

Ein ganz zentraler Schritt zur Implementierung der Kinderrechte an der GGS Sonnenstrasse war die verbindliche Einführung des Klassenrats. Diese regelmäßige wöchentlich stattfindende Gesprächsrunde, in der die Bedürfnisse und Anliegen der Kinder einer Klasse Gehör finden, ist das Gremium, in dem Demokratie gelebt wird. Im Klassenrat können Kinder erfahren, dass sie mit ihren Bedürfnissen angehört und ernst genommen werden, sie können konstruktiv mitbestimmen, Verantwortung übernehmen, selbstständig Lösungen herbeiführen und sich als kompetent und selbstwirksam wahrnehmen. Außerdem werden im Klassenrat Gesprächs- und Umgangsformen, Konfliktlösestrategien, Empathie und Gemeinschaftssinn entwickelt. So ist der Klassenrat auch ein Lernort für vielfältige Fähigkeiten, die in den verschiedensten Fächern der Grundschule geschult werden sollen, es ist also keine verschenkte Unterrichtszeit, sondern effektive und qualitativ hochwertige Lernzeit.

Nachdem festgestellt wurde, dass der Klassenrat in allen Klassen gut gestartet ist, haben wir unsere Schülermitbestimmungsgremien durch die Einrichtung eines Schülerparlaments nach den Osterferien 2015 erweitert. Unter der Leitung von Frau Hilger (Schulsozialarbeit) und Herrn Ruzicska (Lehrkraft) kommen am letzten Donnerstag im Monat alle Klassensprecher zusammen. Die 24 Kinder sprechen dann über die Anliegen, die aus den Klassen in dieses übergeordnete Gremium getragen werden. Die Ergebnisse des Kinderparlaments werden ihrerseits wieder in den Klassenrat der einzelnen Klassen zurückgetragen.

Ziel ist nicht nur das Mitspracherecht sondern auch das Finden eigener Lösungen für typische Konfliktfelder, wie Pausen, Toiletten, Lautstärke etc. Die Durchführung des Klassenrats und des Schülerparlaments sollte langfristig in die Hände der Kinder selbst übergehen.

Es folgten weitere, teils öffentliche Veranstaltungen:

Februar 2016: Fachtag „Forum Ganztagsschule“ in Essen: Präsentation der bisherigen Erfahrungen mit der Umsetzung des Themas „Kinderrechte“ an unserer Schule.

Mai 2015: Projekttage „Wir für unsere Schule“: Eine Projektgruppe gestaltete Postkarten und Fahnen und bemalte den auf dem Schulhof stehenden Spielcontainer zum Thema „Kinderrechte“.

September 2015: Düsseldorfer Weltkindertag: Präsentation der bemalten Fahnen der GGS Sonnenstrasse am Rheinufer. Im Rahmen der 50-Jahr-Feier des Düsseldorfer Kinderschutzbundes und Unicef Düsseldorf wurden alle von Düsseldorfer Einrichtungen und Schulen gestalteten Fahnen zum Thema „Kinderrechte“ zwischen zwei Rheinbrücken aufgehängt.

September 2015: Präsentation der Schule und des Kinderrechteprojektes auf dem Stadtteilfest am Lessingplatz „Demokratie leben“.

August 2016: Präsentation der Schule und des Kinderrechteprojektes auf dem NRW-Tag.

September 2016: Projekttag an der GGS Sonnenstrasse im Rahmen des Weltkindertages zum Thema Kinderrechte.

Februar 2017: Besuch von Herrn Andreas Rimkus MdB, SPD-Bundestagsfraktion: Herr Rimkus wurde in unser Schülerparlament eingeladen und bot den Kindern die Gelegenheit, einen Politiker, der in ihrem Stadtteil aufgewachsen ist, hautnah kennenzulernen.

Für das Schulfest im Juni 2017 und den „Tag der offenen Tür“ im September 2017 ist geplant, dass die Kinder aus dem Kinderparlament ihre Arbeit und den Klassenrat an einem Infostand den Eltern und Besuchern vorstellen.